Planta Nubo

Planta Nubo

Die Klimakatastrophe ist überstanden, und die Menschen haben sich doch noch zusammenreißen können. Sie leben nun im Einklang mit der Natur. Dazu bevölkern sie gigantische Bäume, die sogenannten Arboren. Auf diesen Arboren bauen wir energiereiche Blumen an, die mithilfe von Zeppelinen zu Energiefarmen transportiert werden, um dort in Energie umgewandelt zu werden. Sind alle Pflanzen geerntet, können auf den Arboren sogar neue Wälder entstehen.

Planta Nubo hat sich ein unfassbar großes Universum geschaffen und begründet damit erstmals in der Breite das Solarpunk-Genre. Thematisch klingt das alles ziemlich abgefahren. Interessanterweise ist parallel zum Spiel sogar ein Planta Nubo-Buch erschienen, in dem die Geschichte noch deutlich erweitert wird. Möglicherweise löst die Story dann auch den einen oder anderen Knoten – etwa die Frage, wie ganze Wälder innerhalb einer einzigen Baumkrone entstehen können.

Betrachtet man das Thema etwas nüchterner, geht es hier um eine positive Utopie, in der die Menschen die Natur nicht länger ausbeuten, sondern mit erneuerbarer Energie leben. Diese Idee wird in Planta Nubo in Form eines knackigen Expertenspiels umgesetzt.

Jeder Spieler besitzt eine eigene Baumkrone, auf der verschiedene Pflanzen angebaut werden. Diese Pflanzen können entweder über Luftschiffe am zentralen Lufthafen gegen Energiepunkte verkauft oder in persönliche Frachtcontainer geladen werden. Sind alle Pflanzenmarker von einem Beet entfernt, kann dieses sogar mit einem Wald überdeckt werden. Wälder liefern ein starkes Einkommen und lassen sich im Laufe des Spiels aufwerten, um am Spielende viele Siegpunkte zu generieren.

Das Spiel verläuft über vier Runden, die jeweils in zwei zentrale Phasen unterteilt sind. Zunächst gibt es einen Aktionsauswahlmechanismus über Werkzeugplättchen, die in eine gemeinsame Aktionskartenauslage gelegt werden. Damit lassen sich Aktionen wie das Pflanzen von Blumen, das Verkaufen von Blumen oder das Aufwerten des eigenen Spielertableaus durchführen. Diese Phase ist etwas kleinteilig, da zusätzlich zur gewählten Aktion noch ein persönlicher Frachtcontainer beliefert und eine freie Modulaktion ausgeführt werden darf.

Nachdem jeder Mitspieler drei dieser Werkzeug-Aktionen durchgeführt hat, folgt die sogenannte Handwerksphase mit dem letzten verbliebenen Werkzeugplättchen. Diese Phase ist ein vergleichsweise starker Bonus zum Rundenende, auf den man während der Werkzeugphase hinarbeitet, da man gezielt ein bestimmtes Werkzeugplättchen übrig behalten möchte, das den Bonus in der Handwerksphase festlegt. Hier erhält man beispielsweise neue persönliche Frachtcontainer, mit denen sich später mehr Pflanzen gleichzeitig verkaufen lassen, oder wertvolle Kompostplättchen, die das Anlegen großer Wälder ermöglichen.

Nach diesen beiden Hauptphasen folgt die Waldphase, in der alle Spieler Wälder pflanzen dürfen. Ganz Uwe-Rosenberg-typisch sind die Blumenbeete Tetris-artige Blöcke, die auf die Baumkrone gepuzzelt werden müssen. Auf den Blumenbeeten liegen farbige Holzwürfel, die die Blumen darstellen. Befindet sich auf einem Blumenbeet keine Pflanze mehr, kann es mit einem Wald überdeckt werden. Wälder sind allerdings rechteckig, und um sie platzieren zu dürfen, müssen alle Felder unter dem Wald belegt, aber pflanzenfrei sein. Der Puzzle-Aspekt ist wirklich nicht zu unterschätzen.

Darüber hinaus bietet das Spiel noch viele weitere Elemente: einen Energiekreislauf mit Modulen für Sonderaktionen, variable Siegpunkte am Spielende, eine Gartenbot-Leiste, über die man Zusatzaktionen oder Punkte erhält, und vieles mehr.

Uns hat das Spiel in der ersten Partie tatsächlich überfordert. Die Regeln sind vergleichsweise kleinteilig, und wir waren nicht ausreichend vorbereitet. Dreieinhalb der vier Runden haben wir eher mechanisch nach Anleitung gespielt, bis wir langsam ein Gefühl dafür entwickelt haben, was wir eigentlich tun.

Planta Nubo ist ein richtig expertiges Expertenspiel mit sehr viel von allem: Ressourcenmanagement über Pflanzen, interessante Aktionsauswahl, Puzzlemechanik, Engine Building über Energiemodule – und dazu noch ein ungewöhnliches, starkes Thema.